Früher bekam ich Excel-Listen mit Keywords und Wortanzahl. Heute landen mehrseitige Briefings in meinem Postfach, und die Anforderungen haben sich komplett gewandelt.

Ein typisches Briefing 2020 enthielt das Hauptkeyword, drei bis fünf Nebenkeywords, gewünschte Textlänge und manchmal einen Konkurrenzlink. Fertig. Die Recherche war oberflächlich, Wikipedia und die Top-3-Suchergebnisse reichten meist.

Heutige Briefings sehen anders aus. Letzte Woche bekam ich eins für einen Finanzratgeber mit 47 Punkten. Darin standen Zielgruppenpersona, Search Intent, konkrete Fragen aus Google-Suchen, geforderte Strukturelemente, interne Verlinkungsziele und sogar Tonalität-Beispiele.

Manche Kunden liefern Transkripte von Kundeninterviews oder Support-Tickets mit. Sie wollen, dass ich echte Nutzerfragen beantworte, nicht nur Rankings jage. Ein SaaS-Kunde verlangt bei jedem Text Screenshots und konkrete Anwendungsbeispiele.

Die Bezahlung pro Text ist gestiegen, von durchschnittlich 45 Euro 2020 auf heute zwischen 120 und 200 Euro für vergleichbare Längen. Dafür erwarten Kunden aber auch deutlich mehr Substanz. Wer noch nach alter Schule arbeitet, verliert diese Aufträge an Texter, die sich anpassen.